PFERDEPRAXIS REINFELD

Dr. Katharina Ehlers     

 West-Nil-Virus - Informationen zur Erkrankung und Prophylaxe

In den letzten Jahren hat sich das West-Nil-Virus nach und nach in Deutschland etabliert. Die Zahl der erkrankten Pferde stieg jedes Jahr, in 2020 wurde bei 22 Pferden in Deutschland eine West-Nil-Virus-Infektion nachgewiesen. Ich rate allen Pferdebesitzern sich vor Beginn der Sommer- und damit der Mückensaison mit dem Thema zu beschäftigen. Hier dafür die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengefasst.

Was ist das West-Nil-Virus? Das West-Nil-Virus ist ein Flavivirus, verwandt z.B. mit dem FSME-Virus, das ursprünglich aus Afrika stammt. Es wird über Stechmücken übertragen und infiziert in erster Linie Vögel, die je nach Art schwer bis gar nicht erkranken und als Reservoirwirte fungieren. Pferde und Menschen sind ebenfalls für das Virus empfänglich, sind aus Sicht des Virus aber Fehlwirte, in denen es sich weniger stark vermehrt und deshalb nicht von Pferd zu Pferd oder von Pferd zu Mensch übertragen werden kann.

Welche Symptome sind zu erwarten und wie gefährlich ist eine Infektion? Etwa 10 Prozent der Pferde, die mit dem West-Nil-Virus infiziert werden, erkranken an der neurologischen Form des West-Nil-Fiebers mit Muskelzittern, Bewegungsstörungen, Verhaltensänderungen und Hinterhandlähmungen bis hin zum Festliegen. 30 bis 50 Prozent der an der neurologischen Form erkrankten Pferde sterben. Die Therapie kann ausschließlich symptomatisch erfolgen, dementsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten, einem erkrankten Pferd zu helfen. Überleben die Pferde das West-Nil-Fieber ist bei etwa 20 Prozent der Pferde mit bleibenden Schäden, wie z.B. Bewegungsstörungen zu rechnen.

Wie groß ist die Infektionsgefahr in Norddeutschland? Seit 2018 wurde das Virus zunehmend bei toten Wildvögeln nachgewiesen, im Jahr 2019 unter anderem in Hamburg und Rostock. In Deutschland erkrankten im Jahr 2020 insgesamt 22 Pferde. Bei Menschen gab es eine niedrige zweistellige Zahl klinischer Fälle in 2020. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor geht davon aus, dass das Virus im Umkreis von 300 Kilometern um einen Nachweis herum vorkommen kann. Insbesondere sind dabei die Nachweise bei Vögeln entscheidend, da das Virus sich in ihnen in großen Mengen vermehrt. Mit den nachgewiesenen Fällen in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist dementsprechend auch Schleswig-Holstein als Endemiegebiet zu behandeln. Das Virus hat in den letzten Jahren erfolgreich in Mücken in Deutschland überwintert. Die Experten gehen davon aus, dass hohe Temperaturen und milde Winter eine weitere Ausbreitung des Virus begünstigen.

Was kann man tun, um sein Pferd zu schützen? Den zuverlässigsten und wirksamsten Schutz vor schweren Verlaufsformen des West-Nil-Fiebers bietet eine prophylaktische Impfung. Diese wird von den Experten der StIKO Vet für alle Pferde in den betroffenen Regionen empfohlen oder auch dann, wenn Pferde im Sommer in betroffene Regionen verbracht werden (z.B. zu Veranstaltungen). Es sind mehrere gut verträgliche, zuverlässig schützende Impfstoffe verfügbar. Es erfolgt zunächst eine Grundimmunisierung mit 2 Impfungen im Abstand von 3 bis 6 Wochen im Frühjahr (Abstand je nach Impfstoff), die spätestens bis zum Beginn der Mückensaison Ende Mai abgeschlossen sein sollte, um im Sommer, wenn die größte Ansteckungsgefahr besteht, die höchsten Antikörpertiter zu erreichen. Die Auffrischungsimpfung erfolgt einmal jährlich im Frühjahr.

Weitere Informationen zum Nachlesen:

Bei Fragen zum West-Nil-Virus und zur Impfung oder wenn Sie eine Info-Veranstaltung in Ihrem Reitstall dazu wünschen, kontaktieren Sie mich gern.