Wenn die Seuche ausbricht: Druse
Im Stall breiten sich unter den Pferden und Ponys Fieber, eitriger Nasenausfluss und Lymphknotenschwellung aus? Dann könnte es sich um einen Ausbruch von Druse handeln. Was Sie jetzt dazu wissen sollten, erklären wir in diesem Beitrag.
Was ist Druse und wodurch wird sie ausgelöst?
Druse bezeichnet eine durch die Infektion mit dem fast weltweit vorkommenden bakteriellen Erreger Streptococcus equi ssp. equi verursachte Erkrankung von Pferden und anderen Equiden. Das Bakterium ist hochansteckend und wird von Tier zu Tier, durch die Luft (Tröpfcheninfektion) und durch Vektoren wie beispielsweise gemeinsam benutzte Eimer und Futterkrippen, Tränkwasser, Sattel- und Zaumzeug oder durch Menschen, die es an Kleidung und Händen von Pferd zu Pferd tragen, verbreitet. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 14 Tage. Das Bakterium kann mehrere Tage auf Oberflächen und bis zu sechs Wochen im Wasser überleben.
Welche Symptome sind typisch für Druse?
Bei einer Druse kommt es häufig und typischerweise zu Fieber, eitrigem Nasenausfluss, Lymphknotenschwellung und Lymphknotenabszessen, Apathie und Inappetenz. Infolge der Schwellung der Lymphknoten in der oberen Halsgegend, aber auch durch ein Übergreifen der Entzündung auf die Schlucknerven, können Schluckstörungen (Dysphagie) auftreten. Selten kommt es zu Abmagerung und Kolik, wenn die Bauchlymphknoten betroffen sind. Ebenso sind Hautveränderungen und Petechialfieber in seltenen Fällen möglich.
Es können, müssen aber nicht, alle Symptome bestehen. Die Lymphknotenabszesse vergrößern sich meist über einen Zeitraum von 7 bis 21 Tagen, um dann nach außen durch die Haut, in den Rachenraum oder die Luftsäcke aufzubrechen und große Mengen des hochinfektiösen Eiters in die Umwelt abzugeben. Die meisten Pferde erholen sich vollständig innerhalb weniger Wochen. In seltenen Fällen, insbesondere bei verschleppten Krankheitsverläufen durch unsachgemäße Therapie, kann es zu Komplikationen wie hartnäckigen Eitersteinen in den Luftsäcken oder schlimmstenfalls zur nicht behandelbaren, tödlichen Bauchdruse kommen. Nach einem Ausbruch bleiben ca. 10 Prozent der Pferde sogenannte symptomlose Träger. Sie tragen das Bakterium weiterhin in sich und können es teilweise über Jahre in ihre Umwelt ausscheiden und andere Pferde anstecken.
Wie wird eine Druse nachgewiesen?
Vor allem die typischen Symptome und das klinische Gesamtbild geben Hinweis auf ein mögliches Vorhandensein der Erkrankung. Zum Nachweis des Erregers stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:
In erster Linie sollte entschieden werden, ob eine Kultur angelegt werden oder der Nachweis per PCR erfolgen soll. Die Anzucht mittels Kultur weist ausschließlich vermehrungsfähige Bakterien nach. Der Nachweis per PCR detektiert Bakterien-DNA. Daher ist der Nachweis per PCR deutlich sensitiver als der Nachweis per Kultur. Der Nachweis mittels PCR dauert weniger lange als der Nachweis per Kultur, der mindestens 24 bis 48 Stunden Zeit benötigt.
Nachweis über Blut: Hierbei werden, allerdings nur mittels PCR möglich, die Erreger über eine Blutprobe nachgewiesen. Dies ergibt lediglich in der akuten Fieberphase Sinn, ist auch weniger sensitiv und der Nachweiszeitraum begrenzt. Deshalb kommt diese Methode in der Regel nicht in Frage oder ist zumindest weniger empfehlenswert als andere Optionen.
Nachweis per Nasentupfer: Dieser ist nur bei (eitrigem) Nasenausfluss sinnvoll, da es sonst sehr häufig zu falsch negativen Befunden kommen kann, da sich zwar Erreger im Pferd befinden, sie aber nicht in der Probe enthalten sind. Haben Pferde eitrigen Nasenausfluss, ist diese Art der Probenentnahme einfach und schnell durchführbar. Die Auswertung ist mittels Kultur oder PCR möglich. Zur Nachuntersuchung von genesenen Pferden und zum Ausschluss "stiller Träger" ist diese Methode aus den genannten Gründen ungeeignet.
Nachweis per Rachenspülprobe: Die Probenentnahme erfolgt unter Sedation und ist sensitiver als die Untersuchung per Nasentupfer. Sie kann einen Mittelweg darstellen zwischen akzeptabler Aussagekraft der Probe und Aufwand der Probenentnahme zum Erregernachweis bei klinisch erkrankten Pferden. Die Auswertung erfolgt ebenfalls mittels Kultur oder PCR.
Nachweis per Luftsackspülprobe: Diese Methode gilt als der Gold-Standard der Probenentnahme und liefert die zuverlässigsten Ergebnisse. Unter Sedation mittels Endoskopie wird eine Spülprobe aus dem Luftsack entnommen, der zugleich optisch auf Eiterrückstände und andere Veränderungen beurteilt werden kann. Die Methode ist hoch sensitiv und ist die einzige sinnvolle Untersuchung zur Identifikation der oben beschriebenen symptomlosen Träger. Sie ist die teuerste und aufwändigste der zur Verfügung stehenden Nachweismethoden.
Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei einer Druse?
Die Behandlung einer Druse richtet nach dem Schweregrad der Symptomatik. Die Gabe von Antibiotika wird kontrovers diskutiert und nicht grundsätzlich als Behandlungsmethode empfohlen. Durch den Krankheitsverlauf mit Abszessbildung erreichen die Antibiotika die Bakterien an ihren Rückzugsorten und damit den "Kern des Problems" nicht in ausreichender Konzentration. In Einzelfällen oder im sehr frühen Anfangsstadium der Erkrankung kann eine Gabe von Penicillin (per Injektion durch die Tierärztin) in Erwägung gezogen werden. Bei erkrankten Pferden kann durch lokale Wärmeanwendung (z.B. mit Rotlicht, Wärmflasche, Körnerkissen o.ä.) die Abszessreifung unterstützt und durch Fütterung von Schlappfutter (Heucobs, Mash etc.) die Futteraufnahme erleichtert werden. Sind die Abszesse ausreichend reif und bereiten dem Pferd Schwierigkeiten beim Fressen oder Atmen, können sie von außen von der Tierärztin gespalten werden und somit der Krankheitsverlauf verkürzt werden.
Bei gefährlich hohem Fieber oder schwer gestörtem Allgemeinbefinden können fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente den Pferden und Ponys etwas Linderung verschaffen und weiteren Komplikationen vorbeugen. Bei sehr schwer erkrankten Pferden, insbesondere wenn eine starke Dysphagie vorliegt, können zusätzlich auch intensivmedizinisch Infusionen zur Kreislaufstabilisierung und/oder teilweise künstlichen Ernährung eingesetzt werden.
Eine Druse ist ausgebrochen - wie geht es weiter und wie sehen die Hygienemaßnahmen aus?
Ist in einem Pferdebestand Druse ausgebrochen oder besteht der Verdacht, dass es sich um eine Druse (oder auch eine andere ansteckende Krankheit) handeln könnte, ist Vorsicht geboten. Nun sollten auch unter Einbezug der örtlichen Gegebenheiten und in Absprache mit der betreuenden Tierärztin sinnvolle Maßnahmen zur Hygiene und Vorbeugung der Krankheitsverschleppung getroffen werden. Ansätze und Leitlinien dazu liefert auch der Hygieneleitfaden der FN. Besonderes Augenmerk sollte jede*r Einzelne darüber hinaus auch auf seine eigenen Mensch-Tier-Kontakte, Kleidungs- und Schuhhygiene und Verschleppung in weitere Ställe legen.
Bei bisher gesund erscheinenden Pferde sollte mindestens einmal, besser zweimal täglich die innere Körpertemperatur rektal gemessen werden, um frühzeitig zu erkennen, wenn die Pferde krank werden. So kann schnell und richtig reagiert werden.
Wie kann eine Infektion verhindert werden?
Besondere Vorsicht ist bei Einstallung eines fremden Pferdes oder Umzug in einen neuen Stall geboten, denn nicht nur Pferde mit Krankheitsanzeichen sondern auch augenscheinlich gesunde Pferde können die Krankheit übertragen. Daher sollte eine mindestens zehntägige bis dreiwöchige Quarantäne in einem räumlich getrennten Stallgebäude oder zumindest ohne Kontakt zu den anderen Pferden eingehalten werden. Auch hierzu liefert der Hygieneleitfaden der FN Anhaltspunkte. Auf Pferdesportveranstaltungen oder bei Besuchen in anderen Reitställen sollte sich jeder Einzelne immer fragen, wieviel Kontakt zu den fremden Pferden wirklich nötig ist.
Es sind Impfstoffe gegen Druse verfügbar, deren Risiken und Nutzen im Einzelfall abgewogen werden müssen. Als Routine-Impfung für alle Pferde ist eine Impfung gegen Druse nicht sinnvoll. Eine Impfung (noch) gesunder Pferde in einem Ausbruchsbestand kommt in den allermeisten Fällen zu spät und kann die Pferde in der kritischen Phase der Infektionsabwehr zusätzlich belasten, sodass davon abzuraten ist. Hier sind andere Mittel zur Stärkung des Immunsystems sinnvoller und vor allem weniger risikobehaftet. Wir beraten Sie dazu bei Bedarf gern.
Wann gilt ein Ausbruch als beendet?
Hierbei gibt es verschiedenen Vorgehensweisen, die in enger Absprache mit der betreuenden Tierärztin und je nach örtlichen Gegebenheiten ausgewählt werden können. Die generelle Quarantäne für den Bestand kann sechs Wochen nach dem Abklingen sämtlicher Symptome bei allen Pferden, wenn kein zusätzlicher Krankheitsfall auftritt und nach erfolgter Endhygienemaßnahme (inklusive wirksamer Desinfektion) aufgehoben werden. Dabei bleibt das Risiko bestehen, dass die oben bereits beschriebenen symptomlosen Träger (ca. 10% der erkrankten Pferde nach einem Ausbruch) weiterhin eine Infektionsquelle darstellen.
Es ist deshalb sehr sinnvoll, frühestens drei Wochen nach Abklingen aller Symptome bei allen Pferden, alle Pferde des Bestands (mindestens aber alle zuvor klinisch erkrankten Pferde) mittels Luftsackspülprobe und anschließender PCR zu untersuchen. Pferde, deren Probe weiterhin positiv ist, werden mit einem speziellen Penicillin-Gel unter endoskopischer Kontrolle lokal direkt in den Luftsack behandelt und zu gegebener Zeit erneut beprobt, bis alle Pferde als gesund anzusehen sind. Dann kann ruhigen Gewissens und mit höchster Sicherheit für die Pferdepopulation ebenfalls nach der Endhygienemaßnahme mit Desinfektion die Quarantäne aufgehoben werden.
Eine gute Nachricht zum Schluss: Genesene Pferde entwickeln nach einem Druse-Ausbruch für mehrere Jahre eine stabile Immunität gegen eine neuerliche Infektion.
Sollten sich weitere Fragen ergeben, melden Sie sich gern telefonisch oder per Whatsapp.



