Wenn Wundheilung zur Wundertüte wird - Wie man Wundheilungsstörungen vorbeugen und behandeln kann
Eine Wunde bei euren Pferden oder Ponys kann große Aufregung und Sorgen bedeuten. Welche Ersthelfer-Maßnahmen ihr ergreifen könnt, dass große, aber auch kleine Wunden tückisch sein können und wie geholfen werden kann, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Habt ihr euer Pferd oder Pony mit einer Wunde aufgefunden, gilt es zuerst, die Wunde selbst oder mit einer erfahrenen Stallkolleg*in zu beurteilen. Blutet die Wunde stark, steht die Stillung der Blutung an erster Stelle. Je nach Blutungsstärke und Lokalisation reicht als erste Maßnahme entweder lokaler Druck auf die Wunde mit einer sauberen Kompresse oder Tuch oder ein Schutzverband oder es braucht einen richtigen Druckverband, wie ihr ihn bei uns im Erste Hilfe Kurs für Pferde oder so ähnlich beim Erste Hilfe Kurs für Menschen im Rahmen des Führerscheins gelernt habt. Sollte die Wunde weniger stark bluten, aber sehr verschmutzt sein, könnt ihr sie mit einer farblosen und desinfizierenden Wundspüllösung oder isotonischer Natriumchloridlösung "auswaschen". Im Idealfall solltet ihr hierfür bitte kein normales Wasser verwenden, da dieses Keime tiefer in die Wunde tragen kann, da Wasser einen niedrigeren osmotischen Druck als das beschädigte Gewebe hat. Nun entscheidet ihr im besten Fall selbst, ob ein Tierarztbesuch notwendig ist, oder eine Desinfektion und Wundsalbe (im besten Fall farblos und desinfizierend) ausreicht. Sollten Zweifel bestehen, empfiehlt es sich immer, seinen Tierarzt zu Rate zu ziehen, da auch kleine Wunden, die auf den ersten Blick nicht schlimm erscheinen, an der falschen Stelle (z.B. in der Nähe eines Gelenks) tückisch sein können oder sich im Nachhinein als tiefer als angenommen herausstellen. Hierfür helfen manchmal schon gut geschossene Fotos, meist reicht dies aber nur für eine erste grobe Einschätzung.
Ist der Tierarzt verständigt und vor Ort, entscheidet dieser nach Untersuchung der Wunde über das weitere Vorgehen. Auch hier reichen die Maßnahmen von einer gründlichen Säuberung der Wunde und Applikation von Wundsalbe bis hin zu komplizierten Wundverschlüssen und aufwändigen Verbänden. In schweren Fällen oder wenn der Verdacht besteht, dass Gelenke oder Sehnenscheiden betroffen sein könnten, ist ein Klinikbesuch für das Pferd zur intensiven Wundversorgung bis hin zu einem Wundverschluss in Vollanarkose angezeigt. Wichtig ist: Die verantwortungsvolle, korrekte und schnelle Erstversorgung kann bei Wunden über den Verlauf der nächsten Wochen oder Monate und manchmal über Leben und Tod entscheiden.
Die besten Aussichten auf eine komplikationslose Wundheilung verspricht der sogenannte primäre Wundverschluss, der deshalb immer das erste Ziel sein sollte. Dabei wird die Wunde durch eine Wundnaht dicht verschlossen, die entweder mit Nadel und Faden oder mit einem Hautklammergerät bewerkstelligt wird. Je nach Lokalisation und Wundbeschaffenheit bleiben die Fäden oder Tackerklammern für ca. 10 bis 14 Tage und werden dann entfernt. Meist wird die Wunde bis dahin (je nach Lokalisation) durch einen Verband geschützt. Manchmal kann eine Stabilisierung und Schutz durch einen Verband auch darüber hinaus das Risiko von Komplikationen reduzieren.
Leider heilen Wundne nicht immer so komplikationslos wie gerade beschrieben. Pferde neigen sehr viel mehr als Menschen und andere Tiere zur Bildung von "wildem Fleisch", also zur Bildung von überschießendem Granulationsgewebe. Dies verhindert durch seine Wucherungen den Schluss der Wunde und muss entsprechend intensiv bekämpft werden. Sind Wunden in einem Bereich am Patienten, der unter sehr viel Bewegung steht, wie beispielsweise in Gelenknähe, steht die Haut sowieso schon unter Spannung oder fehlt sogar ein Stück, ist die Wunde stark verschmutzt, bewegt sich der Patient trotz Boxenruhe viel, infiziert sich die Wunde z.B. mit Bakterien oder eitert sie bereits, ist die Wunde älter oder die Wundränder eingetrocknet, verfügt die Wunde über Gewebetaschen oder einen Hautlappen, ist die Spitze des Hautlappens nach oben gerichtet und dadurch die Blutversorgung der verletzten Haut unterbrochen, ist der Knochen unter der Wunde auch betroffen und und und...ihr merkt schon, die "eine" Wunde und damit die eine Wundheilung gibt es nicht. Jede Wunde und jeder Patient ist sehr individuell zu betrachten und ebenso individuell zu behandeln.
Einige Komplikationen können zu Beginn der Wundheilungsperiode reduziert werden, indem eine Wundinfektion vermieden, die Bewegung im Bereich der Wunde reduziert und die Wundfläche soweit wie möglich verkleinert wird. Ist eine Wundnaht wie oben beschrieben nicht möglich, erfolgt dies durch bestimmte Wundspülungen, durch chirurgische Kürrettage ("Auffrischen") der Wunde, die richtige Auswahl der Medikamente und eine fachkundige Verbandsbehandlung.
Solltet ihr dazu weitere Fragen haben oder Interesse an einem unserer Erste Hilfe Kurse, schreibt uns gerne bei Whatsapp. Sollte euer Pferd eine Wunde haben und eine tierärztliche Versorgung benötigen, ruft uns an.








