PFERDEPRAXIS REINFELD
Dr. Katharina Ehlers     

Die Ankaufuntersuchung (AKU) oder Kaufuntersuchung

Die tierärztliche Ankauf - oder Kaufuntersuchung stellt eine standardisierte Untersuchung eines Pferdes dar, um gesundheitliche Einschränkungen zum Untersuchungszeitpunkt aufzudecken und soweit möglich daraus abzuleiten, inwieweit das Pferd für den gewünschten Verwendungszweck belastbar ist. Die Details werden in einem Dienstvertrag, in der Regel geschlossen zwischen dem potentiellen Käufer und der untersuchenden Tierärztin, festgehalten. Hierbei wird zwischen der klinischen Ankaufuntersuchung, häufig auch als "kleine AKU" bezeichnet, und der "großen AKU" unterschieden , die neben der klinischen Untersuchung auch 18 Röntgenbilder umfasst. Sowohl die klinische Untersuchung als auch die Röntgenuntersuchung erfolgen standardisiert entsprechend dem Protokoll der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) und dem geltenden Röntgen-Leitfaden (2018). 

Vorbereitung: Bevor die eigentliche Untersuchung des Pferdes beginnt, werden die derzeitige Haltung, Fütterung und Nutzung des Pferdes sowie frühere Krankheiten und gegebenfalls erfolgte Medikation vom Verkäufer erfragt und im Untersuchungsprotokoll dokumentiert. Des Weiteren müssen Besonderheiten des Pferdes wie Verhaltensauffälligkeiten und Allergien angegeben werden. Um eine aussagekräftige Untersuchung durchführen zu können, sollte im Vorfeld geklärt werden, dass ein heller Untersuchungsplatz in störungsfreier Umgebung, ein abgedunkelter Raum, zum Beispiel eine Box mit geschlossenem Fenster, sowie eine ebene, mindestens 30 Meter lange Vorführstrecke sowie ein kleiner Zirkel mit hartem Boden und ein Zirkel oder Reitplatz mit rutschfestem, weichen Boden zur Verfügung stehen. 

Klinische Ankaufuntersuchung: Bei der klinischen Ankaufuntersuchung wird das Pferd von Kopf bis Huf gründlich untersucht, um alle entscheidenden Organsysteme auf möglicherweise einschränkende Probleme für die Anforderungen seiner zukünftigen Nutzung zu überprüfen. 

Nach zweifelsfreier Identifikation des Pferdes mittels Chipnummer und Abzeichendiagramm, wird das Pferd zunächst äußerlich begutachtet (Fell, Haut, Hufe, Ernährungszustand und Verhalten) und die Körpertemperatur gemessen. Anschließend werden das Herz und die Lunge gründlich und von beiden Körperseiten abgehört und die Ruhefrequenzen notiert. Am Kopf des Pferdes werden die Schneide - und Backenzähne soweit möglich, die Lymphknoten und möglicher Husten oder Nasenausfluss beurteilt. Für die Untersuchung der Augen wird ein abgedunkelter, ruhiger Raum aufgesucht. Außerdem werden die äußeren Geschlechtsorgane auf Auffälligkeiten überprüft. Auf Wunsch kann zusätzlich eine Blutprobe für eine mögliche Dopinguntersuchung abgenommen werden.

Nachfolgend beginnt die Untersuchung des Bewegungsapparates - also von Hals, Rücken, Brust, Bauch und Gliedmaßen - mittels Abtasten auf Veränderungen oder Schmerzhaftigkeit. Das Gangbild des Pferdes wird im Schritt und Trab auf harter Geraden, in der Wendung, beim Rückwärtsrichten sowie auf dem harten Zirkel beurteilt. Zusätzlich wird an jedem Bein eine Übersichtsbeugeprobe durchgeführt. Den Abschluss der klinischen Untersuchung bildet die Beurteilung unter Belastung, bei der das Pferd entsprechend seinem Trainingsstand bis zum Eintritt intensiver Atmung bewegt wird, zum Beispiel an der Longe oder freilaufend im Longierzirkel. Hierbei sind das Auftreten von Husten, Nasenausfluss, möglichen Atemgeräuschen und die Herz- und Atemfrequenz nach Belastung von Bedeutung. Außerdem wird das Gangbild auf weichem Boden in allen drei Gangarten dabei begutachtet.

Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, werden alle Befunde im Zusammenhang abgewogen, besprochen und schlussendlich eingeschätzt, inwiefern gesundheitliche Einschränkungen bestehen oder absehbar sind. Sollten im Laufe der Untersuchung schwerwiegende Befunde erhoben werden, die möglicherweise kaufentscheidend sind, kommunizieren wir diese während der Untersuchung sofort, sodass der/die Auftraggeber*in jederzeit transparent informiert ist und eine Untersuchung eventuell auch abgebrochen werden kann, wenn ein Kauf nicht mehr interessant ist. Der/die Auftraggeber*in erhält im Anschluss das Protokoll der Untersuchung in Schriftform.




Röntgenuntersuchung: Bei der standardisierten Röntgenuntersuchung im Rahmen einer Ankaufuntersuchung handelt es sich um 18 Röntgenbilder, die von den Beinen des Pferdes angefertigt werden (6 von den Vorderbeinen, 12 von den Hinterbeinen). Diese werden entsprechend des Röntgenleitfadens von 2018 beurteilt und mögliche Befunde in Risikoklassen unterteilt, die hinweisend für eine Einschränkung der langfristigen Nutzung als Reitpferd sein können. Wichtig ist: Weder stellt ein unauffälliges Röntgenbild eine Garantie für ein immer gesundes Pferd dar, noch ist ein Röntgenbefund automatisch ein Ausschlusskriterium hierfür. 

Terminvereinbarung und Kosten: Eine gründliche Untersuchung erfordert Zeit, sodass alle Beteiligten ca. 1,5 - 2 Stunden einplanen sollten. Die Kosten einer klinischen Ankaufuntersuchung sind abhängig vom Kaufpreis des Pferdes und können vorab bei der Terminfindung erfragt werden. Die Röntgenuntersuchung wird gemäß der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet. Sollten Sie einen Pferdekauf in Erwägung ziehen oder noch Fragen zur Ankaufuntersuchung haben, melden Sie sich gerne telefonisch oder per WhatsApp.